Tagesausflug nach Nikko: Natur, Weltkulturerbe und heiße Quellen

Nikko liegt nur wenige Bahnstunden von Tokyo entfernt und stellt damit ein ideales Ziel für einen Tagesausflug dar. Auch in der kurzen Zeitspanne von nur einem Tag kann man dort manches entdecken, was man in Tokyo eher selten findet: wunderschöne Natur und ein wenig Ruhe von der geschäftigen Metropole.

Für nur einen Tag in eine ganz andere Präfektur zu fahren und schon abends wieder im Hotel sein zu wollen erscheint ganz schön ehrgeizig. Dennoch gibt es gute Gründe, für eine der ersten Bahnen früh aufzustehen: Besonders wem nur eine begrenzte Zeit in Japan zur Verfügung steht, möchte selbstverständlich möglichst viel sehen. Ein Tagesausflug spart dabei den Aufwand, für wenige Tage ein weiteres Hotel zu buchen und das schwere Gepäck mit von Ort zu Ort zu schleppen.

Wie komme ich mit ÖPNV nach Nikko?

Für Reisende ohne Japan Rail Pass wird die Fahrt mit den lokalen Zügen der TOBU-Line ab Tobu-Asakusa (im Ekimise, keine direkte Verbindung zu den Tokyo Metro-Linien) oder dem Skytree (je nach Verbindung entweder Haltestelle Oshiage(Skytree) oder Tokyo Skytree[Narihirabashi]) die kostengünstigste Möglichkeit sein. Mit einer Dauer von 2,5 bis 3 Stunden ist sie zugleich aber auch die Langsamste. Sorgen zu machen, dass man beim Umsteigen den Anschluss nicht bekommt, braucht man sich übrigens nicht – die Bahnen sind meistens pünktlich und der Anschluss wartet bereits am benachbarten Bahnsteig.

Die einfache Fahrt kostet 1.390¥, und die erste Verbindung startet wochentags wie auch am Wochenende um 4:58 Uhr ab Tobu-Asakusa bzw. ab 4:44 Uhr ab Skytree. Zurück fährt die letzte Bahn zu beiden Bahnhöfen um 20:41 Uhr ab Tobu-Nikko, also auf jeden Fall die Zeit nicht vergessen und rechtzeitig wieder am Gleis stehen. Je nachdem, wie weit der Weg noch zur Unterkunft ist, sollte die Wahl auf eine frühere Verbindung fallen.

Für die hier vorgestellte Tour lohnt sich der TOBU Nikko All Area Pass. Erhältlich ist er im TOBU Tourismus-Center in Asakusa und Ikebukuro oder am Ticketschalter der Tobu-Asakusa Station. Dieser deckt die Bahnfahrt ab Asakusa bzw. Skytree, alle Busfahrten in Nikko sowie die Rückfahrt ab. Zusätzlich gibt es in bestimmten Restaurants und Onsen sowie an einigen Sehenswürdigkeiten in Asakusa oder Nikko Rabatt beim Vorlegen des Passes. Fällt für die Rückfahrt die Wahl auf einen Expresszug statt auf die Lokalzüge, erhält man 20% Rabatt auf die Tickets beim Vorzeigen.

Im Winter (28. November bis 19. April) kostet er 4.230¥, im Sommer (20. April bis 27. November) 4.600¥ für 4 Tage Gültigkeit. Wie beim JR-Railpass kann man auch für den Area Pass bis zu 90 Tage vor Reiseantritt online einen Gutschein kaufen, der an zuvor genannten Stellen umgetauscht werden kann. Mehr Infos zum Ticket und zu Ermäßigungen gibt es auf der Seite von TOBU Railway.


Anfahrt mit TOBU Lokalzügen Tobu-Asakusa/Skytree ↔ Tobu-Nikko
Dauer: 2,5 – 3 Stunden
Kosten: 1.390¥ einfache Fahrt
Erste Hinfahrt: 4:44 Uhr (Skytree) / 4:58 Uhr (Tobu-Asakusa)
Letzte Rückfahrt: 20:41 ab Tobu-Nikko
TOBU Nikko All Area Pass (4.230¥ (Winter) / 4.600¥ (Sommer)) lohnt sich!


Spacia Express im Bahnhof Tobu-Nikko
Spacia Express im Bahnhof Tobu-Nikko

Eine etwas zügigere Alternative ohne Umsteigen für Reisende ohne Japan Rail Pass ist die Anfahrt mit Limited-Express-Zügen. Der Spacia/Kegon Express und der Revaty Kegon Express verkehren zwischen Tobu-Asakusa und Tobu-Nikko bzw. Shimo-Imaichi. Endet die Fahrt in Shimo-Imaichi, fährt dann eine lokale Bahn weiter bis Tobu-Nikko. Die Fahrt dauert jeweils etwa 110 Minuten. Zusteigen kann man von Tokyo aus auch an den Stationen Tokyo Skytree [Narihirabashi] und Kita-Senjū.

Da es sich bei dieser Linie um einen Sonderzug handelt, muss zusätzlich zu dem einfachen Fahrtgeld von 1.390¥ ein Zuschlag von 1.360¥ (Spacia Express) bzw. 1.470¥ (Revaty Express) pro Fahrt gezahlt werden, der auch eine Sitzplatzreservierung enthält. Tickets sind im TOBU Tourismus-Center in Asakusa und Ikebukuro, am Ticketschalter in Asakusa oder an Automaten der jeweiligen Haltestelle erhältlich. Um sicherzugehen, dass für die geplante Hin- und Rückfahrt noch Sitzplätze verfügbar sind, empfiehlt es sich, Tickets bereits im Voraus zu erwerben.

Zwar ist der Nikko All Area Pass nicht auf die Limited-Express-Züge anwendbar, allerdings spart man ein paar hundert Yen, wenn man direkt im Tourismus-Center am Bahnhof Tobu-Nikko den Chuzenji Onsen Free Pass für 2000¥ kauft. Auch dieser hält bei bestimmten Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Onsen in Nikko Ermäßigungen bereit. Der Chuzenji Free Pass ist zwei Tage gültig und deckt die hier vorgestellte Tour ab. Mehr Informationen sind auf der Seite von TOBU Bus zu finden. Dort gibt es auch Busfahrpläne und Netzkarten.

Der erste Express fährt jeden Tag um 6:30 Uhr ab Tobu-Asakusa. Die letzte Bahn zurück verlässt Tobu-Nikko um 19:18 Uhr und erreicht Tokyo bereits um 21:15.


Anfahrt mit Limited Express Tobu-Asakusa/Skytree/Kita-Senjū ↔ Tobu-Nikko
Dauer: 110 Minuten
Kosten: 2.750¥ (Spacia Express, 1.390¥ Fahrtgeld + 1.360¥ Expresszuschlag) bzw.
               2.860¥ (Revaty Express, 1.390¥ Fahrtgeld + 1.470¥ Expresszuschlag)
Erste Hinfahrt: 6:30 Uhr ab Tobu-Asakusa
Letzte Rückfahrt: 19:18 Uhr ab Tobu-Nikko
Chuzenji Onsen Free Pass (2.000¥) lohnt sich!


Inhaber des Japan Rail Passes können komplett kostenlos von Tokyo oder Ueno aus mit dem Shinkansen Yamabiko nach Utsunomiya und von dort aus weiter mit der JR Nikko-Linie nach Nikko fahren. Eine Sitzplatzreservierung ist nicht notwendig, kann mit dem Railpass aber wie immer kostenlos gemacht werden. Die Fahrtzeit beträgt aufgrund einer relativ langen Umsteigezeit von 25 Minuten in Utsunomiya knapp über 2 Stunden.

Für Reisende ohne Rail Pass kostet diese Verbindung 5.150¥, alternativ kann man auch von Ueno aus mit der lokalen JR Utsunomiya-Linie bis zur Endhaltestelle Utsunomiya, und dort aus mit der JR Nikko-Linie nach Nikko fahren. Diese Verbindung dauert 2:50 Stunden und kostet ohne Rail Pass 2.640¥. Zugestiegen werden kann auch in Oku und Akabane.

Mit der Ginza Line kommt man auch in nur 6 Minuten für 170¥ von Ueno nach Asakusa, damit ist die Fahrtzeit mit der der TOBU-Lokalzüge vergleichbar. Kostentechnisch ist daher die Anfahrt mit TOBU-Zügen gegenüber der mit JR-Lokalzügen vorzuziehen. Um mehr Zeit in Nikko verbringen zu können, ist abzuwägen, ob man mit der JR-Verbindung zurückfährt, allerdings lohnt sich dann der Nikko All Area Pass nicht mehr.

Stattdessen kann man direkt im Tourismus-Center am Bahnhof Tobu-Nikko den zwei Tage gültigen Chuzenji Onsen Free Pass für 2000¥ kaufen. Dieser spart ein paar hundert Yen an Fahrtgeld im Bus und bietet einige Ermäßigungen bei bestimmten Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Onsen in Nikko.

Der erste Shinkansen fährt ab Tokyo um 6:20 Uhr und ab Ueno um 6:26 Uhr. Die erste lokale Verbindung fährt bereits etwas früher um 4:54 Uhr in Ueno ab. Zurück kann man sich mehr Zeit als bei den Verbindungen von TOBU Railway lassen: Die letzte Verbindung mit Shinkansen fährt um 21:52 Uhr, die letzte lokale Verbindung fährt um 21:33 Uhr am Bahnhof JR-Nikko ab.


Anfahrt mit Shinkansen Tokyo/Ueno ↔ JR-Nikko
Dauer: 2 Stunden
Kosten: 5.150¥ / kostenlos mit Japan Railpass
Erste Hinfahrt: 6:20 Uhr (Tokyo) / 6:26 Uhr (Ueno)
Letzte Rückfahrt: 21:52 Uhr ab JR-Nikko

Anfahrt mit lokalen JR-Zügen Ueno ↔ JR-Nikko
Dauer: 2:50 Stunden
Kosten: 2.640¥ / kostenlos mit Japan Railpass
Erste Hinfahrt: 4:54 Uhr ab Ueno
Letzte Rückfahrt: 21:33 Uhr ab JR-Nikko

Chuzenji Onsen Free Pass (2.000¥) lohnt sich in beiden Fällen!


Damit man allen Orten die Aufmerksamkeit zukommen lassen kann, die sie verdienen, sollte die Ankunft idealerweise zwischen 9 und 11 Uhr erfolgen. Eine frühere Ankunft vor 9 Uhr lohnt sich nicht, da viele Läden und auch Sehenswürdigkeiten dann noch nicht geöffnet haben.

Nach der Bahnfahrt erst einmal die Beine vertreten…

Da die im Folgenden vorgestellte Tour zwar eine Mittagspause einplant, allerdings nicht in einem Restaurant, ist es am besten, eine kleine Mahlzeit für unterwegs mitzunehmen. Direkt im Bahnhof Tobu-Nikko befindet sich nach der Ticketschranke rechts in der Wartehalle ein kleines Geschäft namens „Access Tobu“. Hier kann man Getränke und Bentos für das Mittagessen kaufen. Alternativ dazu gibt es auch einen Family Mart etwa 100m die Hauptstraße hoch.

Blick auf die Berge von der Hauptstraße aus
Blick auf die Berge von der Hauptstraße aus

Nikko liegt von Bergen umringt auf einer Höhe von 530 Metern über dem Meeresspiegel. Um diese Aussicht genießen zu können und sich nach der Bahnfahrt ein wenig die Beine zu vertreten, kann man einen kleinen 20-minütigen Spaziergang vom Bahnhof zur Shinkyo Bridge unternehmen. Natürlich kann man auch einfach einen der Busse nehmen, die direkt vor dem Bahnhof Tobu-Nikko alle 10-20 Minuten abfahren, aber der Blick auf die Berge ist wunderschön. Außerdem verpasst man sonst den Stand, der nach etwa zwei Dritteln der Strecke mit frisch zubereiteten Dango auf einen wartet.

Traditionell-japanische Stärkung zwischendurch

Dango-Stand in Nikko
Dango-Stand in Nikko

Nach etwa 15 Minuten fällt auf der linken Straßenseite ein kleiner Stand auf, der Dango verkauft. Ein freundlicher älterer Herr bereitet diese direkt vor den Augen der Kunden zu, sodass man immer einen frisch zubereiteten und noch heißen Spieß bekommt. Angeboten werden drei verschiedene Reiskuchen als Basis, weißer Reis, 10-Korn-Reis und  schwarzer Sesam, die man wahlweise mit Miso oder Soja bestrichen bestellt. Ein Spieß kostet 350¥. Der Stand hat täglich ab 11 Uhr geöffnet und heißt Mifuku-Chaya (jap. 三福茶屋).

Ich persönlich bin ein großer Fan von Dango. Der Geschmack ist für jemanden, der es zum ersten Mal probiert, vielleicht durch die Kombination aus Süß und Salzig ungewöhnlich, aber meine Familie konnte ich dafür schon begeistern. Wir haben zusammen alle Sorten probiert – und alle waren lecker!

Historische Bauten und Weltkulturerbe

Im Rahmen der hier vorgestellten Tour werden zwei Bauwerke besonders unter die Lupe genommen: Die Shinkyo, eine Brücke, die mit dem darunter fließenden Daiya Fluss schon einen kleinen Ausblick auf die schöne Natur gibt, die uns später noch erwartet und der Toshogu, der Schrein mit den berühmten drei Affen, der sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde.

Interessanterweise gehörten der Futarasan-jinja, zu dem die Shinkyo gehört, und der Toshogu früher einmal dem selben Komplex an, dessen Bauten sich über ganz Nikko erstreckt haben. Erst mit der Trennung von Shintoismus und Buddhismus in der Meji-Zeit, des sogenannten Shinbutsu-Bunri, wurde dieser in zwei Schreine (Futarasan-jinja und Toshogu) und einen Tempel (Rinnōji) aufgeteilt.[1]

Nach dem Spaziergang, oder eben der Busfahrt bis Haltestelle 7: Shinkyō, erreicht man die Shinkyo. Diese zinnoberrot lackierte Brücke gilt als eine der drei schönsten Japans. Überqueren kann man sie nur, wenn man zuvor 300¥ zahlt. Dieser Preis enthält allerdings auch den Eintritt zum angrenzenden Schrein, welcher ebenfalls zum Futarasan-jinja gehört. Den schönsten Blick auf die Shinkyo bekommt man jedoch, ohne etwas zu zahlen: Von der Hauptstraße aus fängt man die Brücke mitsamt des wunderschön klaren Wassers des Daiya Flusses ein.

Die Shinkyo über dem Daiya Fluss im Winter
Die Shinkyo über dem Daiya Fluss im Winter

Übrigens: So unvollständig sich ihr Name auch anhört, die Bezeichnung Shinkyo enthält bereits den Zusatz „Brücke“: Ihr japanischer Name ist 神橋 (shinkyō), wobei das erste Zeichen Gott und das zweite Brücke bedeutet.

Anschließend geht die Tour zu Fuß weiter zum Toshogu. Zusammen mit dem Futarasan-jinja und dem Rinnoji gehört er zu den Schreinen und Tempeln des UNESCO-Weltkulturerbes in Nikko. Noch vor dem großen Eingangstor erwartet einen eine fünfstöckige Pagode, in deren Nähe im Frühling und Sommer auch Mochi und Karaage verkauft werden. Der Eintrittspreis für den Toshogu beträgt 1300¥, ein relativ hoher Preis, welcher allerdings durch die hohe Anzahl an Attraktionen auf dem Gelände begründet ist… Und mit Sicherheit auch ein wenig dadurch, dass der Toshogu der bekannteste Schrein Nikkos ist.

Schnitzereien am Toshogu: die drei Affen, ein hölzerner Drache und die Nemuri Neko
Schnitzereien am Toshogu: die drei Affen, ein hölzerner Drache und die Nemuri Neko

Besonders bemerkenswert sind die vielen aufwändigen Schnitzereien an den Gebäuden rund um das Gelände. Bereits wenn man nach dem Durchtreten des Eingangstores dem Weg nach links folgt, fallen mehrere Szenen mit Affen an der Wand eines Holzgebäudes auf. Diese appellieren an die Tugenden des Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. So gibt es eine Szene mit zwei Affen umgeben von Wellen, die ein frisch verheiratetes Paar darstellen, das zusammen durch die „Wellen des Lebens segelt“. Eine andere zeigt mehrere kletternde Affen, die einander unterstützen, was an Freundschaft erinnert. Das Gebäude, an dem sich diese Schnitzereien befinden, ist der ehemalige heilige Stall, welcher gewählt wurde, weil Affen als Beschützer der Pferde gelten.[2]

Die bekannteste Szene ist wohl die mit den drei Affen, die „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“, auch wenn diese am Toshogu in anderer Reihenfolge sind. Sie sind so bekannt, dass es sie sogar als Whatsapp-Emojis gibt! Die Darstellung als Affen ist aus einem Wortspiel entstanden: 見ざる、聞かざる、言わざる。(Mizaru, kikazaru, iwazaru. [Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.]), wobei sich die verneinende Endung ~ざる(-zaru) so ähnlich anhört wie das japanische Wort für „Affe“: 猿(saru).[3] Heutzutage wird das Sprichwort allerdings eher als Aufforderung an Kinder benutzt, nichts Böses zu sehen, zu hören und zu sagen. Das zusätzliche Wort „böse“ kommt jedoch in der wortwörtlichen Übersetzung gar nicht vor.

Rechterhand befinden sich drei große, rot lackierte Gebäude, die drei heiligen Lagerhäuser. Sie sind verziert mit Darstellungen verschiedener bunter Tiere und bieten heute Raum für die Lagerung von fast 1000 Samurai-Uniformen und Zaumzeug für Pferde. Dieses wird bei Ritualen im Frühling und Herbst verwendet. Durchquert man das große Torii, bewegt man sich auf das Yomeimon zu.

Das mit über 500 Schnitzereien traditioneller Motive besetzte Tor gilt als eines der schönsten in Japan. Auf der Rückseite des Tores befindet sich ein großer weißer Drache mit goldenen Details. So wird man beim Verlassen des Hofes vor dem Hauptschrein daran erinnert, in der Drachenhalle vorbeizuschauen. Das Ticket für den Besuch dort ist ebenfalls im Eintrittspreis enthalten.

Blick durch Torii auf das große und aufwändig verzierte Yomeimon
Blick durch Torii auf das große und aufwändig verzierte Yomeimon

Nun gelangt man schließlich zum Hauptschrein, dem Gohonsha. Dort kann man beten oder einfach nur die umliegenden Gebäude bestaunen. Falls man wie ich Goshuin sammelt, gibt man gegenüber des Hauptschreines, links neben dem Yomeimon, sein Buch ab. Der Gohonsha ist, außer zu speziellen Anlässen, für Besucher geöffnet, sodass man auch das Innere betreten kann. Natürlich gilt dabei wie immer: Schuhe aus! Zu den dort täglich stattfindenden Meditationskursen hingegen wird um Voranmeldung gebeten.

Zur Rechten des Gohonsha verläuft ein Weg mit sehr vielen steinernen Stufen durch den Wald den Berg hinauf zum Okumiya, dem inneren Schrein. Dieser umgibt das Grabmal von Tokugawa Ieyasu, welcher als Gottheit Tōshō Daigongen über das Schicksal seiner Familie wacht. Er gilt als einer der drei Reichseiniger Japans durch geschickte Bildung von Allianzen.[4]

Urne Ieyasus und seines Enkels Iemitsu im Okumiya des Toshogu
Urne Ieyasus und seines Enkels Iemitsu im Okumiya des Toshogu

Der Weg beginnt hinter einem Tor, an dem sich eine weitere schöne Schnitzerei befindet: die Nemuri Neko, die zwischen Pfingstrosen schlafende Katze. Sie ist relativ klein, weshalb sogar ein Schild darunter steht, dass man bitte nach oben schauen solle. Auf der Rückseite des Tores wird man auf dem Rückweg zwei Vögel finden, die quasi auf dem Rücken der schlafenden Katze sitzen. Diese beiden Figuren zusammen können als Friedenssymbol betrachtet werden.

Auf dem Rückweg durchquert man wieder das Yomeimon und biegt direkt danach nach rechts zu einem buddhistischen Tempel namens Yakushido ab. Er durfte als einziger Tempel auf dem Gelände des shintoistischen Schreines stehen bleiben. Drinnen bietet er Platz für die zwölf chinesischen Tierkreiszeichen und ein riesiges Deckengemälde eines Drachen. Besonders an diesem Raum ist, wie einem in einer kurzen (auf Japanisch gehaltenen) Einführung erzählt wird, die Akustik: Klatscht man beim Beten in die Hände, hört es sich an, als würde der Drache brüllen. Nachdem der Guide das einmal vorgeführt hat, bekommt man Zeit, um sich in Ruhe umzusehen, zu beten und Glücksbringer zu kaufen. 

Mittagspause mit Ausblick

Anschließend führt die Rundtour zur Akechidaira Seilbahn, um die Natur rund um Nikko von oben zu betrachten. Der Bus zur Seilbahn fährt an den Haltestellen 07 (Shinkyō) und 08 (Sōgōkaikan-mae) ab. Die Linien C Richtung Chuzenji Onsen und Y bzw. YK Richtung Yumoto Onsen halten beide an der Haltestelle 24: Akechidaira Ropeway, welche sich direkt vor der unteren Station befindet. Dort werden einige kleine Leckereien verkauft, unter anderem Kuchen, Mochi und Yakitori, die man mit auf die Aussichtsplattform nehmen kann, um sie dort zu verzehren. Oben gibt es Bänke, dadurch kann man verweilen und währenddessen eine kurze Mittagspause machen.

Die Plattform bietet Aussicht auf den See Chuzenji, die Kegonfälle und Mount Nantai, einen 2.486m hohen Berg. Im Herbst ist die Aussicht mit den von Herbstlaub bedeckten Hängen besonders schön.

Blick auf den See Chuzenji und die Kegonfälle, rechts deutet sich der Mount Nantai an
Blick auf den See Chuzenji und die Kegonfälle Ende Winter, rechts deutet sich Mount Nantai an

Die Fahrt mit der Seilbahn ist für Inhaber des TOBU Nikko All Area Passes kostenlos, alle anderen Besucher zahlen 740¥ für eine Rundfahrt. Man darf beliebig lange dort oben die Aussicht bestaunen, die letzte Rückfahrt ist jedoch um 15:30 Uhr. Weitere Informationen zu Öffnungszeiten und Fahrpreisen gibt es auf der Seite von Nikko-Koutsu.

Beeindruckendes Naturschauspiel: die Kegonfälle

Dass Nikko einige der schönsten Bauwerke Japans bereithält, ist nun bekannt, aber in der Nähe des Sees Chuzenji befindet sich mit den Kegonfällen auch einer der drei schönsten Wasserfälle Japans in Nikko. 97 Meter rauscht das Wasser hier in die Tiefe. Beobachten kann man das Spektakel von einer zweistöckigen Aussichtsplattform, auf der man direkt gegenüber des Wasserfalls steht. An besonders windigen Tagen kann es sogar passieren, dass man etwas Spritzwasser abbekommt.

Die Kegonfälle sind zu jeder Jahreszeit schön anzusehen: Im Winter bilden sich eindrucksvolle Eisformationen rund um den Wasserfall und im Herbst locken sie teilweise sogar so viele Besucher an, dass sich auf der zuführenden Bergstraße manchmal Staus bilden.

Kegonfälle im Winter
Kegonfälle im Winter

Mit dem Bus dauert es gerade einmal 10 Minuten von der Akechidaira Seilbahn zur Haltestelle 26: Chuzenji Onsen. Sowohl die Linie C Richtung Chuzenji Onsen als auch die Linie Y bzw. YK Richtung Yumoto Onsen halten dort. Die Aussichtsplattform ist von dort nur etwa 5 Gehminuten entfernt. Direkt neben dem Wasserfall befindet sich auch ein Souvenirshop. Wer also noch einen Nikko-Kühlschrankmagneten oder Schlüsselanhänger sucht, wird hier definitiv fündig.

Pause in einem typisch japanischen Café

Wem nun nach Kaffee und Kuchen zumute ist, der kann sich die Wartezeit auf den nächsten Bus etwas versüßen. Ziemlich direkt gegenüber vom Busterminal gibt es ein kleines typisch japanisches Café namens Yebisuya (jap. ゑびすや), eines der wenigen Cafés, die auch im Winter geöffnet bleiben. Im Erdgeschoss gibt es handgetöpferte Tassen und Schalen zu kaufen, im Obergeschoss befindet sich dann das Café.

Käsekuchen und heiße Schokolade im Yebisuya
Käsekuchen und heiße Schokolade im Yebisuya

Es ist relativ klein und gemütlich eingerichtet, mit Holztischen und Fellkissen. An gerade einmal vier Tischen begrüßt es Gäste mit einem kleinen Menü, das aus Matcha- und Käsekuchen sowie einigen Heißgetränken besteht.

Abstecher in die heiße Quelle

Nun ist es auch schon Zeit, sich zurück ins Stadtzentrum zu begeben. Alle drei Linien C, Y und YK fahren Richtung Nikko Station und halten direkt vor dem Bahnhof Tobu-Nikko. Bei der Rückfahrt über die Serpentinen bekommt man noch ein paar letzte grandiose Ausblicke über das Tal und die umliegenden Berge.

Leider ist ein Tagesausflug sehr kurz, um auch noch ausgiebig im Onsen zu entspannen, aber zumindest für ein paar Stunden kann man dennoch die heißen Quellen Nikkos genießen. Einige Hotels bieten für Tagesgäste einen Day Spa Tarif an, in dessen Rahmen man das Bad des Hotels für eine beschränkte Zeit nutzen kann.

Ein besonders schönes Bad ist das des Nikko Station Hotel Classic gegenüber des Bahnhofs JR-Nikko. Es überzeugt mit einer neuen, gepflegten Anlage sowie großzügigem Außen- und Innenbereich. Abgeschirmt von der Umgebung vergisst man glatt, dass man sich noch in der Stadt befindet – so vergeht die Zeit bis zur Heimfahrt wie im Flug. Das Wasser kommt aus einer natürlichen heißen Quelle direkt in Nikko und wird vor Ort heruntergekühlt und aufbereitet.

Das Bad hat täglich von 11:00-23:00 Uhr für Tagesgäste geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 700¥, für weitere 150¥ erhält man ein Bade- und ein Gesichtshandtuch. Duschgel, Shampoo, Spülung und Gesichtspflegeprodukte werden vom Hotel bereitgestellt. Bilder und weitere Informationen sind auf der Seite des Hotels zu finden.

Eine lokale Spezialität zum Abendessen: Yuba Soba

Ein Gericht, das ich in Nikko zum ersten Mal probiert habe, ist Yuba-Soba. Yuba ist quasi aufgerollte Soja-Milchhaut, ein Spezialität in Japan. Das hört sich für einige vielleicht erstmal nicht so lecker an, da viele die Milchhaut nicht mögen, aber aufgerollt in der heißen Brühe zusammen mit den Nudeln schmeckt es sehr lecker. Ich möchte jedem raten, es zumindest einmal unvoreingenommen zu probieren. Wie bei den Dango konnte ich schon meine Familie, absolute Milchhaut-Gegner, von Yuba-Soba überzeugen.

Ich habe Yuba-Soba bisher in zwei Restaurants in Nikko gegessen. Eines davon heißt Uoyou (jap. 魚要), es befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Bahnhof und Toshogu. Dort wird Yuba noch selber herstellt. Auf der Getränkekarte stehen Bier, Sake und Cider, ebenfalls aus der Region. Eine Portion Yuba-Soba kostet hier 1.300¥. Leider hat das Restaurant Uoyou nur zur Mittagszeit von 11:00-15:00 Uhr geöffnet.

Ein weiteres zentral gelegenes Restaurant befindet sich direkt gegenüber des Bahnhofs Tobu-Nikko. Das Restaurant Asahiya Shokudo (jap. 旭屋食堂) bietet ebenfalls handgemachte Yuba-Soba und -Udon an, die Portion kostet hier 1.000¥. Die Öffnungszeiten sind etwas länger, und zwar von 10:00-18:00 Uhr bzw. im Winter von 10:00-17:00 Uhr. Wichtig zu wissen ist, dass man die Anschauungsteller zwar im Erdgeschoss neben dem Eingang findet, das Restaurant aber einmal die Treppe hoch im zweiten Stock ist. Auch hier haben mir die Yuba-Soba gut geschmeckt. 

Yuba-Soba und Nikko Cider im Uoyou
Yuba-Soba und Nikko Cider im Uoyou

So schnell geht ein Tag in Nikko vorüber – doch wem Nikko gefallen hat, der sollte zu einem späteren Zeitpunkt für mehrere Tage zurückkehren. Dann hat man auch Zeit, bis nach Yumoto Onsen raus zu fahren, die umliegenden Ortschaften zu erkunden, einen Themenpark zu besuchen oder gar einen ganzen Tag in Kinugawa Onsen zu entspannen.


Hilfreiche Links


Quellen

Sekundärquellen:
[1] Encyclopedia of Shinto: Nikkōsan shinkō. Zuletzt aufgerufen am 18.03.2020
[2] Nikko Toshogu Shrine: Shrine Overview. Zuletzt aufgerufen am 19.03.2020
[3] Japanese Buddhist Statuary: Monkey in Japan. Zuletzt aufgerufen am 19.03.2020
[4] Samurai Archives: Tokugawa Ieyasu. Zuletzt aufgerufen am 19.03.2020


Stand: März 2020


3 Kommentare zu “Tagesausflug nach Nikko: Natur, Weltkulturerbe und heiße Quellen

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